Chancen durch Bildung – Schule in Sachsen-Anhalt in der Mitte der Gesellschaft

Beschluss des Landesparteitages
Präambel

Bildung entscheidet über die Lebenschancen jedes Einzelnen genauso wie über das Wohlergehen unserer Gesellschaft insgesamt. Sie ist die Voraussetzung für ein erfülltes Leben, soziale Teilhabe und individuellen sozialen Aufstieg. Für die FDP ist deshalb Bildung ein Bürgerrecht.

Bildung ist aber nicht zuletzt auch der zentrale Erfolgsfaktor unserer Volkswirtschaft im globalen Wettbewerb. Für die FDP hat sie deshalb gegenüber anderen Politikfeldern politische und finanzielle Priorität. Alle Investitionen in Bildung sichern nicht nur die Zukunftsfähigkeit unseres Landes, sondern fördern gesellschaftliches Engagement und Integration.

Die FDP will Sachsen-Anhalt zu einem Bildungsland machen: Von der frühkindlichen Bildung über Schule und Berufsausbildung bis hin zum Hochschulwesen und zur Weiterbildung wollen wir uns mit den besten Ländern messen.

Wir brauchen das Leitbild einer Bildungsgesellschaft, in der jeder Mensch nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert und gefordert wird. Für uns steht die Bildungsbiografie jedes einzelnen Menschen im Blickpunkt, dessen Potentiale erkannt und die kompetent begleitet und gefördert werden müssen. Wir wollen eine Kultur, in der sich Anstrengung lohnt. und die deshalb für Kinder und Jugendliche Leistungsanreize bereithält. Ihnen muss vermittelt werden, warum es sich lohnt, sich ein Leben lang Wissen anzueignen und Methoden zu beherrschen, dieses Wissen kompetent anzuwenden. Im Informationszeitalter ist es für jeden Menschen, der eigenverantwortlich handeln will, wichtig, mit seinem erlernten Wissen Informationen zu bewerten und diese dann zu verarbeiten. Verantwortungsbewusstsein, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit sind dazu die Schlüsselqualifikationen. Sie sind die Voraussetzung dafür, später Probleme im Kontext mit anderen und für andere lösen zu können.

Grundlegende Prinzipien einer Bildungsgesellschaft sind Eigenverantwortung, Autonomie und Wettbewerb um die besten Konzepte. Diese Prinzipien müssen in allen Bildungsbereichen Gestaltungsleitlinien sein.

Die FDP will

  • die Bildungsqualität in Sachsen-Anhalt steigern und dabei  allen Menschen von Beginn an individuelle Lernwege ermöglichen und somit gerechte Bildungschancen für jeden schaffen
  • Bildung als strategische Entwicklungsaufgabe in Sachsen-Anhalt verankern
  • eine stärkere Fokussierung der Politik auf die Verbesserung der Bildungsangebote im Land erreichen
  • den Anteil der Bildungsausgaben an den Landesausgaben in Sachsen-Anhalt erhöhen.

Vorschulische Erziehung in Sachsen-Anhalt

Die ersten Lebensjahre eines Menschen legen die Grundlage für seine weitere Entwicklung. Die FDP setzt auf die Kompetenz der Eltern. In keiner Phase der Entwicklung ist die individuelle Verantwortung der Eltern so groß, wie in der frühkindlichen Bildung. Es gilt: Bildungsfähigkeit beruht auf Bindungsfähigkeit.
Aber auch Kinder, deren Eltern ihnen nur in begrenzten Umfang den Zugang zu Bildungsinhalten vermitteln können oder wollen, müssen ein entsprechendes Angebot erhalten. Bildungszugang darf in Sachsen-Anhalt nicht vom Elternhaus abhängen.

Bei der Betreuung der älteren Kinder wird in Zukunft eine umfangreichere Vorbereitung der elementaren Bildungselemente durch die Erzieherinnen und Erzieher erforderlich sein. Dazu bedarf es eines hohen fachlichen Niveaus der Erzieher und Erzieherinnen. Die Qualifizierung des Fach- und Führungspersonals in den Kindertageseinrichtungen ist deshalb eine bildungspolitische Schlüsselaufgabe. Die FDP fordert deshalb eine Fachhochschulausbildung für das Leitungspersonal.

Für die Arbeit in den Kindergärten sollen zukünftig Rahmenrichtlinien Maßstab der Arbeit sein, deren Einhaltung überprüft wird. Als Schlussfolgerung des verstärkten Bildungsauftrags von Kindertageseinrichtungen ist die Verantwortung an das Kultusministerium zu überführen.

Neben der klassischen Einrichtung der Kindertagesstätten in einer Vielfalt von Trägerschaften ist das Modell der Tagesmütter und -väter getreten. Die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf muss allerdings durch flexible Angebote noch weiter verbessert werden. Unter anderem bedarf es stärkere Anreize zur Gründung von Betriebskindergärten (auch als Betriebskindergarten mehrere Betriebe), flexiblere Öffnungszeiten (vor allem am Nachmittag und frühen Abend) sowie die verstärkte Unterstützung von 24 Stunden- Betreuungsangeboten. Langfristig ist auch eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels wünschenswert, auch wenn dies unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten nicht kurzfristig realisiert werden kann.
Entwicklungsdefizite sind möglichst früh festzustellen und wenn möglich um diese möglichst bis zum Schulanfang abzubauen,  insbesondere durch Zusammenarbeit der Kitas mit Logopäden, Lesepaten und anderen Bildungspartnern. Die Qualität der Sprachtests muss verbessert werden.  Die Kooperation von Kindergarten und Grundschule muss noch viel enger ausgebaut werden. Es geht bei der elementaren Bildung in den Einrichtungen der Kinderbetreuung um die Vermittlung von Grundkompetenzen für einen erfolgreichen Schulstart.. Deshalb strebt die FDP beginnend mit dem letzten Jahr vor der Einschulung den schrittweisen Verzicht auf Elternbeiträge für das Grundangebot der Kindertageseinrichtungen an.

Die FDP will

  • die  Betreuungsquote verbessern;
  • eine hohe Qualifikation der Erzieher sicherstellen;
  • die intensive Kooperation von Grundschule und Kindergarten fördern;
  • ein letztes Kindergartenjahr ohne Elternbeiträge ermöglichen.

Schule in Sachsen-Anhalt in der Mitte der Gesellschaft

Die Schule als gesellschaftliche Institution, ist neben der Familie und dem sozialen Umfeld, der zentrale institutionelle Akteur für die Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das Bildungsziel muss die freie und gleiche Förderung aller Kinder sein. Dabei müssen Leistungsstarke gefordert und Leistungsschwache und Benachteiligte gefördert werden. Elitenbildung und Maximalförderung sind Bestandteil einer ausgewogenen Bildungslandschaft. In den Schulen wird nach modernen pädagogischen Prinzipien in Verantwortung der Lehrer ein positiver Leistungsgedanke vermittelt.

Vom Grundsatz her hält die FDP an der sachsen-anhaltischen Struktur des gegliederten Schulsystems nach der vierjährigen Grundschule fest. Die Stärke des differenzierten, begabungsgerechten Bildungssystem ist, dass Schüler nach dem Besuch der Grundschule die weiterführende Schule besuchen, die ihren jeweiligen Fähigkeiten, Neigungen und Interessen am besten entspricht. In einem differenzierten Schulangebot ist die Durchlässigkeit zwischen den verschieden Schularten und -typen Grundvoraussetzung für die Gestaltung individueller Bildungswege. Dabei wollen wir, dass die Übergänge zwischen den verschiedenen Schulformen über die gesamte Schulzeit frei bleiben, um so jedem Schüler entsprechend seiner individuellen Begabungen und Talente fördern zu können. Für die Liberalen sind die Schulformen dabei gleich berechtigt und gleich sinnvoll. Die Liberalen sehen in den gesunkenen Schülerzahlen in Sachsen-Anhalt eine Chance zur Qualitätssteigerung der Bildung, dabei ist das günstige Betreuungsverhältnis zu erhalten.

Motivierte und qualifizierte Lehrer sind das wichtigste Element für eine gute Schule. Die Stärkung der Position und die leistungsgerechte Entlohnung ist ein wichtiges Ziel. Die Leistung der Schule muss anhand nachvollziehbarer Qualitätsmerkmale beurteilt werden können. Jede Schule muss sich einer regelmäßigen eigenen Qualitäts- und einer Leistungsüberprüfung durch unabhängige Qualitätssicherungsinstitute stellen. Die Ergebnisse dieses Schulrankings sind regelmäßig zu veröffentlichen.

Die FDP will,

  • eine Weitentwicklung der differenzierten begabungsgerechten Schulstruktur statt ideologischer Umwälzung;
  • die Durchlässigkeit der Bildungsgänge  zur Gestaltung individueller Bildungswege erhöhen;
  • durch günstige Betreuungsverhältnisse die Qualität der schulischen Angebote verbessern.

Grundschule

Die ersten Schuljahre entscheiden über die Leistungs- und Lernbereitschaft der Kinder, aber auch über das Vertrauen der Eltern in die Schule und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Lehrern. Die Grundschule hat bei der Betrachtung des gesamten Bildungsprozesses deshalb eine besondere Bedeutung. Im Grundschulbereich müssen die Klassengrößen auf das gesteigerte Betreuungsbedürfnis Rücksicht nehmen.

Die FDP ist der Ansicht, dass an der Grundschule die Fokussierung auf die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen oberste Priorität haben muss. Ob in der Schuleingangsphase eine Zensierung oder/und eine verbale Beurteilung erfolgt, liegt im Ermessen der Schule. Bis Klasse 4 ist es hilfreich, die Schulnoten durch eine individuelle textliche Beurteilung auf dem Zeugnis zu ergänzen. Die Grundschule endet mit einer qualifizierten Schullaufbahnempfehlung zum Übergang in die Sekundarstufe. Ein wichtiges Kriterium sind zentrale Klassenarbeiten. Die individuelle Förderung von Kindern – von lernschwach bis hochbegabt – muss sich wie ein roter Faden durch die Grundschule und die weiterführenden Schulen ziehen. Beobachtungen, Evaluation und Förderpläne sind hierzu unerlässlich. Dies setzt eine enge Kooperation aller Lehrkräfte voraus.

Hochbegabte Kinder werden in unseren Grundschulen nicht selten unterfordert, weil ihre Fähigkeiten nicht erkannt werden. Lehrer müssen in die Lage versetzt werden, Hochbegabungen zu erkennen und hochbegabte Schüler sind kompetent zu begleiten.

Die FDP will:

  • die individuelle Förderung eines jeden Schülers zum Leitgedanken der Bildungspolitik machen;
  • die Grundschule auf die Entwicklung der Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen fokussieren;
  • die Zusammenarbeit von Schule, Hort und Vereinen verbessern;
  • den Übergang in die Sekundarstufe qualifizierten Schullaufbahnempfehlung begleiten.

Weiterführende Schulen

Die differenzierten Abschlüsse im gegliederten Schulsystem bieten ein leistungsorientiertes Angebot. Die Sekundarschule muss als ortsnahe, weiterführende Schule weiterentwickelt und aufgewertet werden.

Die Liberalen bekennen sich zum Bildungsföderalismus, gleichwohl sind die Kultusminister der Länder aufgefordert, die Vergleichbarkeit aller Abschlussebenen sicher zu stellen.

Es werden die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen in allen Jahrgangsstufen erhöht werden kann. Beispielsweise durch eine Beratung nach jedem Schulhalbjahr der Klassen 5 und 6, danach mit jeder Versetzungsentscheidung, Der Wechsel muss durch die gezielte Förderung in der aufnehmenden Schule auch praktisch erleichtert werden.

Dem Konzept der Ganztagsschule stehen die Liberalen bei allen Schulformen offen gegenüber. Es sind hier jedoch alternative Schulen anzubieten, bzw. ist es zu ermöglichen, das Nachmittagsangebot der Ganztagsschule so zu gestalten, dass Kindern, die daran nicht teilnehmen, daraus kein zwingender Nachteil im Bereich des regulären Unterrichts erwächst.

Statt einer pauschalen Nichtversetzung sollen Schüler mit erkannten Schwächen in einzelnen Fächern frühzeitig durch den Besuch von Förder-, Wochenend- und Ferienkursen die Chance erhalten, ihre Defizite auszugleichen. Wenn am Ende des Schuljahres eine Versetzung aufgrund bestehender Leistungsschwächen in einigen wenigen Fächern nicht erzielt werden würde, soll der Schüler während der Sommerferien durch ein intensives Schulungsangebot die Chance einer Nachprüfung und damit die Möglichkeit erhalten, doch versetzt zu werden. Nur wenn ihm dies nicht gelingt, greift die bisherige Praxis der Nichtversetzung weiterhin.

Die Liberalen sind sich der Existenz von Schulen mit intensiven sozialen und gesellschaftlichen Problemen bewusst. Nichts ist für ein ansprechendes Lernumfeld destruktiver als seelische und körperliche Gewalt. Die Liberalen plädieren daher für betreute Mediatorenprojekte, den verstärkten Einsatz von Schulpsychologen und Sozialarbeitern, entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen und Selbsthilfeangebote. So soll ein Schulumfeld geschaffen werden, das die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit fördert und zu Diskurs und Toleranz anregt. Die Zusammenarbeit von Eltern, Schülern und Schulen muss vertieft werden. Nur wenn hier eine enge und vertrauensvolle Kooperation stattfindet, können Schüler auch individuell mehr gefördert und gefordert werden.

Sekundarschulen müssen ein auf Lebenswelt- und Praxisbezug ausgerichtetes pädagogisches Konzept entwickeln mit einer stärkeren Verbindung zu den heutigen Berufsschulen.

Das Gymnasium als ein Bildungsgang im gegliederten Schulsystem, der Schülerinnen und Schülern eine vertiefte allgemeine Bildung vermittelt mit dem Ziel, die Hochschulzugangsberechtigung zu erwerben, steht gleichberechtigt neben den weiteren Angeboten.

Die FDP will die Reform der gymnasialen Oberstufe mit Stärkung der Kernfächer weiterführen: Die Überspezialisierung durch das Grund- und Leistungskurssystem wird aufgegeben, die für die Studierfähigkeit grundlegenden Fächer Deutsch, Mathematik und eine fortgeführte Fremdsprache werden mit vier Wochenstunden auf einem erhöhten Anforderungsniveau unterrichtet und im Abitur geprüft.

Eine Beratungsstelle Hochbegabung, angebunden an eine Hochschule, wird dafür verantwortlich sein, für Eltern Erzieher und Lehrer ein Netzwerk zum Erkennen und Fördern begabter Kinder und Jugendlicher aufzubauen , das bereits in den Grundschulen ansetzt.

Junge Menschen müssen kompetent darauf vorbereitet werden, eigenverantwortlich und verantwortungsbewusst ihre Rechte und Pflichten im Wirtschaftsleben wahrzunehmen. Der praxisnahe Unterricht ist weiter auszubauen. Die Initiativen mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler auf vielfältige Art und Weise das Wirtschafts- Arbeits- und Berufsleben hautnah erleben und kennenlernen zu lassen, müssen besser vernetzt werden. Verbindliche Kooperationsvereinbarungen zwischen Schulen und Unternehmen helfen dabei, stabile Kooperationsbeziehungen mit Leben zu erfüllen.

Die FDP will:

  • die Sekundarschule aufwerten und stärken;
  • die  Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen erhöhen;
  • das Bildungsstandards geschaffen werden und Vergleichbarkeit der Angebote gegeben ist;
  • die Qualifizierung und Ausweitung von Ganztagsschulangeboten;
  • die Zusammenarbeit von Schule und Unternehmen in der Region muss ausgebaut und auf langfristig stabile Grundlagen gelegt werden;

Organisation der Schulen

Die FDP will die Qualität des Bildungswesens in Sachsen-Anhalt dadurch weiter verbessern, dass die einzelnen Einrichtungen mehr Autonomie und mehr Gestaltungsfreiheit erhalten. Sie brauchen das Recht der Selbstverwaltung, größere Mitsprache bei der Personalauswahl sowie mehr pädagogische und finanzielle Eigenverantwortung.

Die Schule muss sich als zentraler Teil der Gesellschaft begreifen und ganztägig Angebote unterbreiten. Dazu muss die personelle Ausstattung den territorial unterschiedlichen Erfordernissen angepasst werden. Die Schule versteht sich als zentraler Teil des kommunalen Kulturnetzwerkes und öffnet sich für vielfältige Formen des bürgerschaftlichen Engagements, damit wird gerade in ländlichen Gebieten die Schule zum soziokulturellen Zentrum der Kommune. Die soziale Begleitung ist Bestandteil aller Bildung, die staatliche Verantwortung hierfür ist um die Schule zu bündeln.

Die Leistungsfähigkeit der Schulen wird heute mittels externer Evaluation durch die Schulaufsicht, mit Lernstandserhebungen und Vergleichsarbeiten sowie vor allem durch mindestens teilzentrale Aufgabenstellungen in den Prüfungen bei Schulabschlüssen sichergestellt. Diese Instrumente müssen durch ein Schulranking ergänzt werden, das Qualitäten und Erfordernisse aufzeigt. Die Ergebnisse sind öffentlich und helfen Eltern und Schulträgern bei der Bewertung der Anstrengungen der Schulen Bildung zu vermitteln.

Die Schulträger sichern die Organisation der schulischen Bildung, gleichgültig ob staatlich, kommunal, getragen durch Vereinigungen oder privat. Ersatz- und Ergänzungsschulen bereichern die Schullandschaft vielfach durch innovative pädagogische Ansätze, und sie erweitern die Wahlmöglichkeiten der Eltern. Schon heute besteht eine steigende Nachfrage nach Schulen in freier Trägerschaft. Hinsichtlich der finanziellen Förderung, Beaufsichtigung und Evaluierung sind alle Schulträger gleich zu behandeln. Land und Kommunen sollten interessierte private Träger beispielsweise durch aktive Beratung im Gründungsprozess unterstützen. Die Übertragung der Trägerschaft von den Kommunen auf private Initiativen ist zu prüfen. Die FDP setzt sich für eine finanzielle Gleichstellung aller Schulträger ein. Das Schulgeld ist im Gegenzug abzuschaffen.

In der Verantwortung des Staates liegt es, ein flächendeckend ausgewogenes Angebot entsprechend dem Grundgesetzauftrag und einen optimalen Schülertransport zu gewährleisten.

Schulleiter tragen die Verantwortung für die pädagogische Qualität und die Entwicklung der Schule, sie sind Dienstvorgesetzte der Lehrer und Manager der Schulen. Im staatlichen Bereich sollen gestufte Verantwortungen realisiert werden, die sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Verantwortung Karrierewege eröffnen. Fortbildung muss für alle im Bildungsbereich Tätigen verpflichtend unabhängig vom Schulträger sein. Die FDP verändert die Praxis der Schulentwicklungsplanung und garantiert ein öffentlich finanziertes Schulnetz mit freier Schulwahl. Die Öffnung der Schuleinzugsgebiete ist Voraussetzung für die freie Schulwahl.

Die fortschreitende Veränderung der Rolle des Staates gegenüber Hochschulen und Schulen muss auch bei der Neuordnung der Lehrerbildung und -anstellung berücksichtigt werden. Die Lehrerbildung in Sachsen-Anhalt muss an die europäische Standardisierung im Zuge des Bologna-Prozesses angepasst und bereits in ihrer ersten Phase mit einem höheren Praxisanteil versehen werden. Dabei wird die Fachlichkeit nicht vernachlässigt. Das Lehramt für die Grundschulen wird im Zuge dessen aufgewertet. Das Lehramtsstudium an den Hochschulen sollte auch mit einer europaweit anerkannten Hochschulprüfung abschließen. Das Staatsexamen sollte dann nach einer zweiten Phase ausschließlich als Einstellungsvoraussetzung in den Schuldienst dienen. Die Kompetenz der Hochschulen bei Konzeption und Angebot der entsprechenden Studiengänge müssen im Rahmen notwendiger staatlicher Rahmensetzungen und Zielvereinbarungen ausgebaut werden. Die Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer soll intensiviert werden.

Neben der staatlichen Finanzierung, die die Aufgaben der Bildung im vollen Umfang sicherstellt, ist Schulsponsoring möglich. Jede Schule hat jährlich die Finanzierung öffentlich zu machen.

Die FDP will:

  • die Verbesserung der sächlichen Ausstattung der Bildungsträger durch aktive Investitionsförderung;
  • die Förderung der Vielfalt von Schulträgern und Stärkung der Verantwortung der Schulträger;
  • die Stärkung des Qualitätsgedankens durch höhere Transparenz der Lehrevaluation;
  • eine freie Schulwahl durch Öffnung der Schuleinzugsbereiche;
  • die Anpassung der Lehrerbildung an die europäische Standardisierung im Zuge des Bologna-Prozesses mit einem höheren Praxisanteil in ihrer ersten Phase.