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Mittwoch, 24. Februar 2010

FDP-Fraktion auf auswärtiger Sitzung in Bitterfeld-Wolfen

Die FDP-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt war am Dienstag in Bitterfeld-Wolfen unterwegs. „Wir wollen direkt ran an die Probleme der Menschen vor Ort. Zu oft befindet sich die Politik im Elfenbeinturm."

"Deswegen geht die Fraktion einmal im Monat geschlossen hinaus und besucht Einrichtungen, Unternehmen und Vereine“, erklärte Veit Wolpert, Fraktionsvorsitzender der FDP-Fraktion und Abgeordneter aus Rösa.

Nach einem Gespräch mit der Oberbürgermeisterin Petra Wust über die prekäre Finanzsituation der Stadt, besuchte Wolpert gemeinsam mit dem Abgeordneten Guido Kosmehl die Securitas Werksfeuerwehr des PD Chemieparks. Für die 40 Kunden fahren die 65 Berufsfeuerwehrleute jährlich an die 900 Einsätze. Wobei allein 450 Einsätze für die regelmäßige Überprüfung der Löschanlagen notwendig sind. „Es ist beeindruckend mit welchem Einsatz die Feuerwehrleute in 24h Schichten ans Werk gehen und in der Lage sind, innerhalb einer Minute zu einem Einsatz auszurücken. Probleme sah die Leitung der Werksfeuerwehr bei ungenügenden Weiterbildungsangeboten in der Brand- und Katastrophenschutzschule des Landes in Heyrothsberge. „Wir werden dem Problem nachgehen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Werksfeuerwehr auf Schulen in Sachsen und Thüringen zurückgreifen muss“, sagten die Abgeordneten.

Bei einem Besuch des Finanzamtes informierte sich die finanzpolitische Sprecherin Dr. Lydia Hüskens über den bevorstehenden Umzug des Finanzamtes Köthen nach Bitterfeld.

Der wirtschaftspolitische Sprecher, Lutz Franke, besuchte gemeinsam mit dem bildungspolitischen Sprecher, Gerry Kley, die Lehrwerkstatt im Bildungszentrum Bitterfeld-Wolfen. Die Abgeordneten zeigten sich erstaunt darüber, welch umfangreiches Bildungsangebot jungen Menschen hier geboten wird.
Bei der Gelegenheit stellte der Geschäftsführer Olaf Richardt zwei Projekte der Lehrwerkstatt vor, welche Schülern und Schulabgängern bei der Berufsorientierung und -spezifizierung helfen sollen. Trotz der Projekte und Anstrengungen hat das Bildungszentrum mit schweren Problemen zu kämpfen. So beklagt Olaf Richardt den zusehend sinkenden Wissensstand der Auszubildenden nach Beendigung der regulären Schulzeit und die Verminderung der Anzahl an Auszubildenden mit gymnasialem Hintergrund. Damit nicht genug, zeigt das Bildungswerk wie zahlreiche andere Ausbildungsstätten in Sachsen-Anhalt eine deutlich erhöhte Überalterung seiner Ausbilder und Angestellten. Mit gemischten Gefühlen beendeten die Abgeordneten Lutz Franke und Gerry Kley den Besuch des Bildungswerks. Schließlich „sollte das Land Sachsen-Anhalt daran festhalten, Bildungsträger wie die Lehrwerkstatt im Bildungszentrum Bitterfeld-Wolfen weiter zu fördern“, da waren sich beide einig.

Auf der weiteren Agenda standen die Vetter Busunternehmen GmbH, die Orwo-Net AG sowie ein Besuch des Abgeordneten Dr. Uwe Schrader bei der PD Chemiepark GmbH.

Bei dem Besuch Dr. Uwe Schraders bei der Vetter Busunternehmen GmbH gab der Inhaber, Dr. Wolfdietrich Vetter, einen Einblick in die Entwicklung des seit über 60 Jahren bestehenden Familienunternehmens. Inzwischen handelt es sich um ein typisches mittelständisches Unternehmen, das rund 500 Mitarbeiter beschäftigt und gut ein Sechstel der Fläche des Landes Sachsen-Anhalt befährt. Sorgen bereitet dem Unternehmer, dass es in Sachsen-Anhalt nur einen schwach ausgeprägten Mittelstand im Verkehrswesen gibt. Ein großes Problem sieht Vetter unter anderem in der zunehmenden Verbürokratisierung des ÖPNV und schlechten Wettbewerbsbedingungen aufgrund der großen Dominanz kommunaler Unternehmen.

Weitaus erfreulicher zeichnete sich der Besuch des Abgeordneten bei der PD Chemiepark Bitterfeld Wolfen GmbH ab. Der Geschäftsführer Matthias Gabriel zeigte sich durchaus zuversichtlich, dass der Chemiepark die Auswirkungen der momentanen Wirtschaftskrise gut überstehen werde. Zudem stellte er klar, dass auch zukünftig weitere Ansiedlungen erfolgen können und werden, da der Chemiepark noch immer über ausreichend Flächen verfüge.

Beim Besuch der ORWO NET, eine der größten Fotogroßlabore Deutschlands, wurde dem Abgeordneten Lutz Franke klar, dass auch hier das Problem der Überalterung der Angestellten existent ist. Beim Nachwuchs sind genau wie im Bildungszentrum Mängel im Wissensstand zu beklagen. Vielleicht einer der Gründe, warum ORWO NET nur 12 Auszubildende beschäftigt.

Am Abend kam es schließlich zu einem Treffen der Landtagsabgeordneten mit Kommunalpolitikern aus dem gesamten Landkreis um die gewonnenen Eindrücke Revue passieren zu lassen und Problemlösungen zu entwickeln.


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