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Klare Positionierung zur nicht-bindenden Schullaufbahnempfehlung

Beschluss des 33. Ordentlicher Landesparteitag | Bei der Wahl der weiterführenden Schule sollen der Eltern- und Schülerwille maßgeblich bleiben und durch transparente Beratung unterstützt werden.

Der Landesparteitag möge beschließen:

Der Landesparteitag der Freien Demokraten Sachsen-Anhalt stellt zunächst fest, dass

  1. der Anteil an neuen Auszubildenden mit einer Hochschul- bzw. Fachhochschulreife in den letzten elf Jahren von knapp 21 Prozent (2010) auf aktuell fast 30 Prozent (2021) gestiegen ist,[i] was die Bedeutung der Berufsausbildung im Kontext des Fachkräftemangels auch für Absolventen und Absolventinnen mit einem höheren schulischen Abschluss unterstreicht und keineswegs auf eine mangelnde Attraktivität der beruflichen bzw. dualen Ausbildung hindeutet;
  2. jedoch der Anteil an Schulabgängern und Schulabgängerinnen ohne Hauptschulabschluss in Sachsen-Anhalt mit 9,6 Prozent im Jahr 2021 noch immer deutlich über dem Bundesdurchschnitt (6,2 Prozent) liegt [ii];
  3. insbesondere die Schulschließungen und Distanzbeschulung in erheblichem Maße zu Einschnitten in der Beschulung der Schülerinnen und Schüler geführt haben und das Schulen über alle Schulformen hinweg in sehr unterschiedlichem Maße auf die Anforderungen reagiert haben;
  4. darüber hinaus der aktuell bestehende Lehrkräftemangel die Schulen in Sachsen-Anhalt vor weitere enorme Herausforderungen stellt und die im Koalitionsvertrag benannte Zielvorgabe der 103-prozentigen Unterrichtsversorgung [iii] im Durchschnitt in jeder Schulform unterschritten wird;
  5. insbesondere die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen das vorgenannte angestrebte Ziel der Unterrichtsversorgung mit durchschnittlich unter 90 Prozent am deutlichsten verfehlen und folglich am stärksten vom akuten Mangel betroffen sind und folglich insbesondere diese Schulformen massive Einschränkungen zu schultern haben;
  6. auf Grundlage der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung die demographische Entwicklung und der bereits jetzt vorhandene Fachkräftemangel die akute Personalknappheit voraussichtlich noch weiter verschärfen werden.

Daraus folgend unterstützt der Landesvorstand der Freien Demokraten Sachsen-Anhalt jede geeignete Maßnahme der Landesregierung, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, u. a. insbesondere

  1. in den Ferien stattfindende Lerncamps, um die entstandenen Lernrückstände zu reduzieren;
  2. die Einstellung von qualifizierten Seiteneinsteigern und Seiteneinsteigerinnen und den Ausbau des berufsbegleitenden Qualifizierungsangebots;
  3. die bedarfsgerechte Optimierung der bestehenden Lehramtsausbildung an beiden Universitäten;
  4. die Implementierung von Talentschulen, um vor allen auch Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in diesen herausfordernden Zeiten eine besondere Unterstützung zukommen zu lassen und die Attraktivität dieser Schulformen trotz des bestehenden Mangels zu stärken.

Auf Grundlage der vorgenannten Aspekte und unter Berücksichtigung der aktuell vorherrschenden Bedingungen erachtet der Landesvorstand der Freien Demokraten Sachsen-Anhalt die bestehende Regelung der Schullaufbahnempfehlung weiterhin für das geeignete Instrument. Deshalb fordert der Landesvorstand die Landtagsfraktion der Freien Demokraten auf,

  1. sich innerhalb der Koalition gegen eine verpflichtende Schullaufbahnempfehlung auszusprechen und den Eltern- bzw. Schülerwillen als zentrale Entscheidungsgrundlage beizubehalten;
  2. sich für ein verpflichtendes Lernentwicklungsgespräch im Rahmen einer Grundschulausgangsberatung stark zu machen;
  3. für eine konsequente Implementierung einer begleitenden Schullaufbahnberatung insbesondere in den ersten beiden Schuljahren an den weiterführenden Schulen sowie für mehr Durchlässigkeit innerhalb des Schulsystems in beide Richtungen einzutreten;
  4. sich für mehr Transparenz, Ausgewogenheit, einheitliche und objektivierbare Kriterien (bspw. in Form eines lehrerunabhängigen Aufnahmetests) sowie den Einbezug von mindestens einer weiteren Lehrkraft (neben der Klassenleitung) im Rahmen der Vorbereitung der Schullaufbahnempfehlung nach §2 IV der Verordnung über die Übergänge zwischen den Schulformen in der Sekundarstufe I (Sek I-Üg-VO) einzusetzen;
  5. in der Diskussion um eine verpflichtende Schullaufbahnempfehlung zunächst den Fokus auf eine deutliche Verbesserung der Bildungsqualität und Personalausstattung in Sekundarschulen zu legen.

[i] Statistisches Bundesamt (2022), Schulische Vorbildung der Auszubildenden bei neuabgeschlossenen Ausbildungsverträgen, abrufbar unter https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsindikatoren/auszubildende-vorbildung-tabelle.html. Siehe darüber hinaus: Dohmen, D.; M. Sandau & T. Bayreuther (2023), Monitor Ausbildungschancen 2023, Gesamtbericht Deutschland, Bertelsmann Stiftung.

[ii] Statistisches Bundesamt (2022), Schulstatistik - Allgemeinbildende Schulen - Schuljahr 2021/2022, Tab. 21111-15, Wiesbaden.

[iii] Koalitionsvertrag 2021 – 2026, Wir gestalten Sachsen-Anhalt, Stark. Modern. Krisenfest. Gerecht, S. 46, Zeilen 1826-30.